BILBoard Januar 2020: Kein Patentrezept trotz partieller Waffenruhe im Handelskrieg

Zu Jahresbeginn herrschte eine gewisse Angst an den Märkten, nachdem die Aktienkurse während der Rally im Dezember trotz des praktisch nicht vorhandenen Gewinnwachstums für 2019 bereits die Kursziele für 2020 mit Bravour hinter sich gelassen hatten. Verstärkt wurde die Nervosität durch die wachsenden Spannungen im Nahen Osten. Diese lösten kurzzeitig massive Verkäufe von risikoreichen Anlagen aus, die aber ohnehin bereits reif für eine Korrektur waren. Die gute Nachricht ist, dass die partielle Waffenruhe im Handelskrieg zwischen den USA und China dazu führt, dass der Konflikt die Märkte nicht länger bedroht. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht müssen wir jedoch bedenken, dass Vertrauen zwar sehr schnell schwindet, jedoch nur ganz langsam wieder zurückkehrt. Die Unternehmen werden nicht plötzlich mit Geld um sich werfen (zumal ein Phase-2-Abkommen laut US-Finanzminister Steven Mnuchin bis nach den US-Präsidentschaftswahlen im November eher unwahrscheinlich ist). Die Unterzeichnung eines Phase-1-Abkommens dürfte daher nicht für eine glänzende Renaissance des Wachstums sorgen, sondern bestenfalls den Zyklus verlängern, der bereits vor dem Handelskonflikt an Schwung verloren hatte. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe (PMIs) versuchen bereits, nach oben zu drehen, was darauf hindeutet, dass mit dem Fortschreiten des Zyklus ein gewisses Wachstum (unter Trend) möglich sein könnte (die Konsenserwartung für das Wachstum im Gesamtjahr 2020 liegt bei 1,8 % für die USA, 1,0 % für die Eurozone und 5,9 % für China).

Die verbesserten Daten haben die Rezessionsängste vom Herbst etwas zerstreut, woran die moderate Haltung der Zentralbanken ebenfalls Anteil hatte. Der aktuelle „Dot Plot“ der US-Notenbank (Fed) deutet zwar an, dass es in diesem Jahr keine Zinsänderungen geben wird, jedoch glauben die Märkte nach wie vor an eine weitere Zinssenkung. In jedem Fall lockert die Fed ihre Geldpolitik mit ihren Repomarkt-Transaktionen gleichsam durch die Hintertür. Die Europäische Zentralbank (EZB) lockert die Geldpolitik unverhohlener und wird bis auf Weiteres weiterhin Anleihen im Wert von 20 Mrd. Euro pro Monat kaufen. Die People’s Bank of China senkte zu Jahresbeginn 2020 ihren Mindestreservesatz um 50 Basispunkte (Bp.) und pumpte dadurch rund 115 Mrd. US-Dollar ins Finanzsystem. Die wachstumsfreundliche Politik zeigt bereits positive wirtschaftliche Effekte, und für das Jahr 2020 ist mit einer weiteren Feinjustierung zu rechnen.

In unmittelbarer Zukunft könnte sich Anlegern, die mit einer höheren Volatilität erfolgreich zurechtkommen können, daher ein recht freundliches Umfeld bieten.

Aktien – Berichtssaison wird Aufschluss über Stimmung auf mikroökonomischer Ebene geben

Aktien sind teuer, da bereits ein kräftiges Wirtschaftswachstum in ihre Kurse eingerechnet ist. Alle Blicke sind nun auf die Berichtssaison gerichtet, die mehr Aufschluss darüber geben wird, ob die Unternehmen die Begeisterung des Marktes teilen und inwieweit die Handelsspannungen, das Vertrauen der Unternehmen und die Zölle die Rentabilität belastet haben.

Was die Zahlen für das 4. Quartal anbelangt, hat sich die Korrekturquote der Analystenschätzungen bei knapp unter null stabilisiert, nachdem sie Anfang 2019 einen Tiefpunkt erreicht hatte. Die starken Abwärtskorrekturen im abgelaufenen Jahr haben die Messlatte für die Unternehmen gesenkt und dürften dazu führen, dass die Gewinnprognosen deutlich häufiger übertroffen als verfehlt werden.

Trotz der etwas besseren gesamtwirtschaftlichen Aussichten hielten wir es diesmal nicht für klug, das Risiko zu erhöhen. Unsere Aktienallokation hielten wir vielmehr stabil, da wir die Bewertungen für stark erhöht hielten, so dass Aktien möglicherweise erst einmal eine Verschnaufpause einlegen sollten. Wir werden dies im Verlauf der Berichtssaison immer wieder überprüfen. In der Zwischenzeit bleiben wir sektorneutral aufgestellt und ziehen es vor, auf der Titelebene zu reagieren.

Wir bevorzugen nach wie vor US-Aktien. Wir sind uns zwar bewusst, dass dies nicht mehr der allgemeine Konsens ist, halten aber an dieser regionalen Präferenz fest, um weiterhin in hochwertigen Wachstumsbereichen und Unternehmen engagiert zu sein, die ihre Märkte eindeutig dominieren. Aktienrückkäufe dürften ebenfalls positive Effekte haben.

Mit Blick auf unser Engagement in europäischen Aktien haben wir unsere Portfolios einen Hauch zyklischer ausgerichtet, indem wir den Fokus etwas stärker auf die Eurozone als auf Europa insgesamt legen (und dadurch in einer defensiven Bewegung etwas vom britischen Markt abrücken). Innerhalb unserer Allokation in den Schwellenländern konzentriert sich unser Engagement auf Asien. Diese Region wird der größte Nutznießer der Waffenruhe im Handelskrieg sein und hat im Hinblick auf die makroökonomischen Daten am deutlichsten zugelegt.

Unser bevorzugter Stil ist nach wie vor „Wachstum zu angemessenen Preisen“.

Anleihen – Fortsetzung der Renditejagd von 2019

Das globale Wachstum erreicht die Talsohle, so dass wir im Zinsbereich bereits einen gewissen Aufwärtsdruck erkennen. Etwaiger Zinsanstieg wird von den Zentralbanken jedoch eingedämmt werden, da diese ihren expansiven geldpolitischen Kurs weiterverfolgen dürften. Angesichts des Umstands, dass die späten Phasen des Zyklus häufig von kurzzeitigen Volatilitätsschüben gekennzeichnet sind, halten wir zur Absicherung nach wie vor einige Staatsanleihen, die während der jüngsten Eskalation zwischen den USA und Iran ihrer Funktion als „sichere Häfen“ tatsächlich auch gut gerecht wurden. Regional betrachtet, bevorzugen wir US-Treasuries, da wir über die potenziellen Verluste besorgt sind, die europäischen Staatsanleihen bei einer Rückkehr der Inflation drohen könnten. In diesem Zusammenhang haben wir ebenfalls einen Teil unserer Positionen in Staatsanleihen in inflationsgebundene Anleihen umgeschichtet, um unsere Diversifikationsstrategie zu erweitern. Wir glauben, dass der Markt im Hinblick auf die Inflationstreiber in der Region, wie potenzielle Haushaltsausgaben und höhere Ölpreise in Verbindung mit Aufwärtsdruck auf die Löhne (der britische Mindestlohn dürfte um 6,2 % steigen und Spanien hebt den Mindestlohn auf über 1.000 Euro pro Monat an), ein wenig selbstgefällig sein könnte. Die Zentralbanken haben bereits erklärt, dass sie einen starken Anstieg der Inflation tolerieren würden. Wir erinnern hierbei an die Analogie „Inflation wie Ketchup“ – erst schüttelt man die Flasche vergeblich und plötzlich kommt alles auf einmal heraus.

Staatsanleihen von Peripherie- und (Semi-)Kernländern finden wir interessant; sie sind bei Anlegern überaus stark gefragt, die auf die Konvergenz der Spreads in Europa spekulieren. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Mit Blick auf Italien bleiben wir vorsichtig, denn der Markt ist zwar günstig, jedoch spiegelt dies nur die politische Unsicherheit wider. Im Januar stehen Regionalwahlen in dem Land an, Fitch wird das Kreditrating am 7. Februar überprüfen und die Regierung wird möglicherweise Zahlungen in Milliardenhöhe an den privaten Autobahnbetreiber Atlantia leisten müssen.

Im Investment-Grade-Segment ist der Großteil der positiven Entwicklung bereits vorüber, so dass für die nächste Zeit mit niedrigeren Erträgen zu rechnen ist. Dennoch bleibt der Mittelzufluss kräftig, und Neuemissionen werden vom Markt aufgesaugt, was beweist, dass nach wie vor Liquidität vorhanden ist, die angelegt werden will. In dieser Anlageklasse sind wir insgesamt übergewichtet. Der Löwenanteil unserer Positionen entfällt auf Europa, wo die EZB mit unsichtbarer Hand die Kurse stützt.

Im Hochzinsbereich, der indirekt Unterstützung von der EZB erhält, sind die Spreads eng und könnten dies bei einem positiven Verlauf der Berichtssaison auch bleiben. Da die höherwertigen Tranchen (mit BB-Rating) immer teurer geworden sind, weil Anleger, die normalerweise im Investment-Grade-Bereich agieren, nun auch am Hochzinsmarkt investieren, werden wir in unseren defensiven und risikoarmen Profilen gezielt und vermehrt Anleihen aus Nischensegmenten des Markts auswählen (zum Beispiel nachrangige Finanzanleihen).

Unsere wichtigste Schlussfolgerung in diesem Monat lautet, dass sich die Wachstumsaussichten in der Tat positiver darstellen als noch vor wenigen Monaten. Die harten Daten müssen aber noch nachziehen, nachdem sich die Aktienmärkte aufgrund der Waffenruhe im Handelskrieg sehr positiv entwickelt haben. Da die Zentralbanken praktisch für den Energie-Boost sorgen, den die Volkswirtschaften benötigen, um weiter spürbar zuzulegen, ist das nicht unmöglich. Doch bis die Daten die Lücke zwischen Realität und erwarteter Realität schließen, warten wir lieber ab. Daher bleiben wir gegenüber Aktien neutral eingestellt und halten einen gewissen Bestand an Staatsanleihen als Puffer, falls die makroökonomischen Daten schlappmachen sollten.

Einschätzung: Gibt an, ob wir die Anlageklasse positiv, neutral oder mit Skepsis beurteilen
Änderung: Gibt an, wie sich unser Engagement seit der Sitzung des Ausschusses für Vermögensaufteilung im Vormonat verändert hat